Schülerinnen und Schüler in Mexiko-Stadt und Berlin arbeiten gemeinsam an dem Projekt „Kolonialismus und seine Folgen – Vergessen im Erinnern?“. Dabei sind Erinnerungsorte ein zentrales Element.

Ein Bericht von David William Jean-François Burmeister, projektleitender Lehrer am Colegio Alemán Alexander von Humboldt, Campus Süd.

Zunächst beschäftigten sich die Projektgruppen sowohl in Mexiko-Stadt als auch in Berlin mit dem historischen Gedächtnis auf gesellschaftlich-sozialer Ebene. Ausgehend von den Überlegungen des französischen Historikers Pierre Nora zu den „Lieux de mémoire“ bearbeiteten sie drei Aspekte: die symbolische Bedeutung von Erinnerungsorten und deren Mythisierung, ihre identitätsstiftende Funktion im kollektiven Gedächtnis einer Nation sowie den Gegenwartsbezug von Erinnerung. Jedes Land und jede Generation versteht Erinnerung anders und definiert sie neu. In Deutschland und Mexiko versuchten die Schülerinnen und Schüler Erinnerungsorte im kolonialen Kontext zu finden, die diese Punkte verdeutlichen und kritisch hinterfragen.

Projektgruppe Mexiko-Stadt:

„Wir haben gelernt, dass ein Erinnerungsort weit mehr als ein touristischer Ort ist. Ein Erinnerungsort, ein Bauwerk oder auch ein Denkmal sind an ein Gefühl gekoppelt, das viele von uns teilen, wie z.B. der Dia de los Muertos – der Tag der Toten, der eine unverzichtbare Bedeutung für das Erinnern in Mexiko hat. Und so machten wir uns auf die Suche in unserer Stadt und erstellten jede und jeder für sich ein Video von unserem ganz persönlichen Erinnerungsort.“

Projektgruppe Berlin:

„Auch wir haben uns mit den Erinnerungsorten der deutschen Geschichte auseinandergesetzt. Schwerpunkt war die Betrachtung und das Verstehen des Deutschen Kolonialismus im 19. Jahrhundert im Kaiserreich. Es war nicht einfach, Orte mit diesem Thema in Berlin zu finden, weil der Fokus des Erinnerns auf die Folgen des Zweiten Weltkrieges und der nationalsozialistischen Verbrechen gerichtet ist. Wir haben aber Monumente in Berlin finden können und sie kritisch hinterfragt.“

Lernen durch gegenseitigen Austausch

Am Ende schickten sich die Projektgruppen gegenseitig die Videos zu den jeweiligen Erinnerungsorten zu und tauschten sich darüber aus. „Wir freuen uns, dass wir im Rahmen des Projektes die Möglichkeit bekommen, uns gegenseitig die ausgewählten Erinnerungsorte direkt vor Ort zu präsentieren.“ fanden die Teilnehmenden.

Sofias persönlicher Erinnerungsort in Mexiko-Stadt

Die Fortschritte und Ergebnisse der Projektarbeit werden von den Schülerinnen und Schülern auch immer in Newslettern zusammengefasst. Hier zwei Beispiele zu den Themen Erinnernungsorte und Kolonialismus:


Das Projekt wird gefördert im Rahmen des Wettbewerbs „Erinnern für die Gegenwart“. Deutsche Auslandsschulen und Deutsch-Profil-Schulen setzen sich mit ihrer Schulgeschichte und dem historischen Umfeld der Schule auseinander. Wie hat man sich verhalten gegenüber Kolonialismus, Nationalsozialismus, Diktatur oder Menschenfeindlichkeit? Ziel ist, Erinnerungskultur, Toleranz und Demokratieverständnis zu stärken und auch auf heutige Formen der Diskriminierung aufmerksam zu machen. Schülerinnen und Schüler sind an der Projektentwicklung zentral beteiligt.

„Erinnern für die Gegenwart“ ist eine Initiative von Bundesaußenminister Heiko Maas und wird umgesetzt von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung und der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ).

Kategorien: Mexiko

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