Im Dezember 2019 reisten Athener Schülerinnen und Schüler vom Projekt „DSA erinnert – Schule unterm Hakenkreuz“ gemeinsam mit einer Gruppe der Partnerschule Lyzeum Distomo nach Berlin. Neben Workshops standen auch Besuche im Auswärtigen Amt und in der Gedenkstätte Ravensbrück mit auf dem Programm.

Zusammengefasst aus Berichten von Regina Wiesinger, projektleitende Lehrkraft an der Deutschen Schule Athen.

Besuch bei Staatsminister Michael Roth im Auswärtigen Amt

Die Projektwoche in Berlin begann mit einem Treffen mit Staatsminister Michael Roth im Auswärtigen Amt. Schülerinnen und Schüler der Deutschen Schule Athen stellten Herrn Roth zunächst das Projekt vor. Anschließend präsentierte die Gruppe des Lyzeums Distomo die Geschichte ihres Heimatortes sowie die Bedeutung der langjährigen Zusammenarbeit und auch Kooperation beider Schulen im Kontext des Wettbewerbs.

Nach den Präsentationen zeigte der Staatsminister großes Interesse an der Forschungsarbeit der Schülerinnen und Schüler und eröffnete eine Frage- und Diskussionsrunde. Thematisiert wurden beispielsweise die deutsche Schuld während der Zeit der deutschen Besatzung in Griechenland oder auch die Wichtigkeit des politischen Engagements von Jugendlichen im heutigen Europa.

Die Projektgruppe zeigte sich begeistert von dem Treffen:

„Herr Roth ist freundlich, offen und sehr differenziert auf alle unsere Fragen eingegangen, behielt jedoch stets eine diplomatische Haltung. Wir waren alle sehr beeindruckt von dem Treffen und es war uns eine Ehre, diese Möglichkeit gehabt zu haben. Wir würden uns über ein weiteres Treffen mit ihm an der DSA sehr freuen, da wir den Kontakt junger Menschen zu Politikern und den Gedankenaustausch mit ihnen für sehr wichtig und bereichernd halten.“

Besuch der Gedenkstätte Ravensbrück

Erweitert um eine Gruppe der Berliner Partnerschule Fritz-Karsen folgte am Sonntag ein Besuch der Gedenkstätte Ravensbrück.

Frau Papadopoulou-Winkel und Frau Schindler-Saefkow begrüßten die Schülergruppe und erzählten über die Geschichte des Ortes. Frau Schindler-Saefkow berichtete, sichtlich bewegt, aus einer sehr persönlichen Perspektive. Ihre Mutter sei in diesem Konzentrationslager inhaftiert gewesen, als sie noch ein kleines Kind war. Die inhaftierten Frauen hätten ihren Töchtern nach der Befreiung aufgetragen, die Erinnerung mit den jüngeren Generationen zu teilen. Dadurch sollte verhindert werden, dass ähnlich schreckliche Taten wieder passieren und das unendliche Leid dieser Frauen in Vergessenheit gerate.

Ravensbrück war hauptsächlich ein Lager für Frauen aus dem Widerstand, jüdische Frauen, Sinti-und Roma-Frauen. Sie wurden dort hingeschickt, um im Bereich der Textilfertigung Zwangsarbeit zu leisten. Unternehmen wie Siemens, die die inhaftierten Frauen unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen ausbeuteten, spielten eine wichtige Rolle bei der Zwangsarbeit dieser Frauen und trugen dazu bei, dass die SS finanziell davon profitierte. Außerdem wurden Gefangene unmenschlichen medizinischen Experimenten unterzogen, die oftmals ihren Tod zur Folge hatten. Die zwei Damen wiesen darauf hin, dass es auch männliche Inhaftierte gab, die schwere körperliche Arbeit leisteten, obwohl das Konzentrationslager für Frauen bestimmt war.

Diese Informationen erschütterten und erstaunten die Schülerinnen und Schüler. Besonders schockierend war die Nachricht, dass mehr als 290 Griechinnen und Griechen in diesem Lager inhaftiert gewesen waren. Während des Besuchs las Frau Winkel Auszüge aus dem unveröffentlichten Buch einer Griechin, die dieses Lager überlebt hat, vor. Die Auszüge berührten alle Anwesenden zutiefst und stimmten nachdenklich. Anschließend besichtigten alle diesen Ort des Grauens und erfuhren durch die Schilderungen der beiden Damen vieles über das Leben und die Lebensbedingungen der Häftlinge. An allen Orten, die sie emotional bewegten, gab es die Gelegenheit, eine Rose zu hinterlassen. An der Gedenktafel für die griechischen Opfer, die an diesem Ort des Terrors inhaftiert und ermordet wurden, las die ganze Gruppe im Rahmen einer kleinen Gedenkveranstaltung laut die Namen der 290 Griechinnen und Griechen vor.

Am Ende warfen sie Rosen in den angrenzenden See, um den Toten, deren Asche von den Krematorien in den See geschüttet wurde, Respekt zu zollen und ihnen zu gedenken.


Das Projekt wird gefördert im Rahmen des Wettbewerbs „Erinnern für die Gegenwart“. Deutsche Auslandsschulen und Deutsch-Profil-Schulen setzen sich mit ihrer Schulgeschichte und dem historischen Umfeld der Schule auseinander. Wie hat man sich verhalten gegenüber Kolonialismus, Nationalsozialismus, Diktatur oder Menschenfeindlichkeit? Ziel ist, Erinnerungskultur, Toleranz und Demokratieverständnis zu stärken und auch auf heutige Formen der Diskriminierung aufmerksam zu machen. Schülerinnen und Schüler sind an der Projektentwicklung zentral beteiligt.

„Erinnern für die Gegenwart“ ist eine Initiative von Bundesaußenminister Heiko Maas und wird umgesetzt von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung und der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ).

Kategorien: Allgemein

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